Expertenteam zieht Lehren aus der ersten Corona-Welle

31.01.2021

von Dr. Jan Böcken, Bertelsmann Stiftung


Expertenteam zieht Lehren aus der ersten Corona-Welle

Zu den zentralen Erkenntnissen des Papiers gehört, dass der Öffentliche

Gesundheitsdienst materiell und personell gestärkt werden sollte, wie an

vielen Beispielen ersichtlich. Er muss darüber hinaus auch besser mit der

hausärztlichen Versorgung verzahnt werden. Zusammen haben beide Bereiche

mengenmäßig den Großteil der Corona-Patientinnen und -Patienten betreut.

Paradigmenwechsel in der Krankenhausplanung erforderlich

Die erfolgreiche Behandlung und Beatmung von schwerkranken COVID-19-

Patientinnen und -Patienten erfolgt im Krankenhaus in der Regel in

hochspezialisierten Einheiten. Die Pandemie bestätigt damit die

Notwendigkeit einer Reform hin zu einer stärkeren Zentrenbildung sowie zu

mehr Kooperation und Spezialisierung der Kliniklandschaft. Hierzu ist aus Sicht

des Expertenteams die Entwicklung einer sektorenübergreifenden, bedarfs-,

leistungs- und qualitätsorientierten Versorgungsstrukturplanung erforderlich.

Die Krankenhäuser der Grundversorgung spielten während der ersten Welle in

der Versorgung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten dagegen nur eine

untergeordnete Rolle. Es gibt für sie jedoch mittel- bis langfristige

Perspektiven als wohnortnahe integrierte Versorgungszentren.

Bundesweite Kriterien für Qualität und Vorhaltekapazitäten im

Krankenhaus notwendig

Zu Beginn der Pandemie gab es keine tagesaktuelle Transparenz über die

verfügbaren Intensivkapazitäten. Der schnelle Aufbau zusätzlicher

Intensivbetten und Beatmungsplätze war deshalb wenig am regionalen Bedarf

orientiert und nur mit sehr hohem Ressourceneinsatz realisierbar. Nach

Meinung der Experten müssen regionale Vorhaltekapazitäten der

Krankenhäuser mittelfristig nach bundesweit einheitlichen Vorgaben 􀃗nanziert

und die Planung stärker an die (Struktur-)Qualität der Kliniken gebunden

werden.

P􀃘flege muss weiterentwickelt und nachhaltig gestärkt werden

Der kritische Engpass in der ersten Welle der Pandemie waren nicht die

Intensivbetten und auch nicht die Testkapazitäten. Es war der Faktor Personal,

in der Ärzteschaft und insbesondere bei fachlich hoch quali􀃗zierten

P􀃘egekräften. Das Expertenteam plädiert auch deswegen dafür, erweiterte

Kompetenzen für die P􀃘egeberufe zu schaffen. Hierzu bedarf es eines

einheitlichen Heilberufegesetzes sowie eigenständiger vertrags- und

vergütungsrechtlicher Grundlagen.

Die Corona-Krise zeigt: Daten helfen heilen

Durch die Pandemie hat die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen

einen Schub erhalten. Das DIVI-Register für Intensivbetten hat die Steuerung

des Kapazitätsausbaus entscheidend vorangebracht, Videosprechstunden

waren alternative Konsultationsmöglichkeiten ohne Infektionsrisiko. Dieser

Schub der Digitalisierung muss verstetigt werden. Aus Sicht der

Wissenschaftler ist eine Verknüpfung von gesundheitsbezogenen Daten mit

neuen digitalen Werkzeugen erforderlich, um die Gesundheitsversorgung

nachhaltig zu verbessern.

Expertentalk

Begleitet wurde die Veröffentlichung des Richtungspapiers durch einen

Expertentalk, der im

auf YouTube übertragen wurde und dort abrufbar ist.

Es diskutierten:

• Prof. Dr. Boris Augurzky, RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Essen

• Prof. Dr. Reinhard Busse, Technische Universität Berlin

• Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Goethe-Universität Frankfurt am Main

• Prof. Dr. Gabriele Meyer, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

• Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER

Moderation: Eva Quadbeck, Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)

Livestream (https://www.youtube.com/watch?v=wjxmHWDnJU&

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